Berlin, 14.11.2025 – Darauf haben Menschen, die mit ME/CFS und Long COVID leben, lange gewartet: über einen Zeitraum von zehn Jahren werden insgesamt 500 Millionen Euro in die Erforschung der Krankheiten investiert. Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und Long COVID Deutschland (LCD) begrüßen die am 13. November 2025 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) angekündigte „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“. Eine mögliche Heilung der Erkrankungen rückt damit ein großes Stück näher.
Aktuellen Schätzungen zufolge summieren sich die Betroffenenzahlen für Long COVID und Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) auf über 1,5 Millionen Erkrankte in Deutschland. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten belaufen sich auf über 60 Milliarden Euro jährlich. Um dieser immensen Herausforderung zu begegnen, stellt der Bund nun erstmals langfristige Fördermittel für die Forschung in Aussicht. In der Zeit von 2027 bis 2036 sollen 50 Mio. Euro jährlich in die Forschung investiert werden. Nach Angaben des BMFTR nimmt die Förderung unter anderem klinische Studien und neue Therapieansätze sowie neue Forschungsdaten und Genomanalysen, KI-basierte Anwendungen zur Datenauswertung und die Vernetzung und Nachwuchsförderung in der Gesundheitsforschung in den Fokus.
„Die Ankündigung einer Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen durch den Bund stellt eine große Chance für spürbare Verbesserungen für Hunderttausende Erkrankte dar und ist ein wichtiger Schritt, um die Anerkennung und Versorgung von ME/CFS weiter voranzubringen,“ sagt Sarah Müller, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS. „Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass Betroffene nach allen infektiösen Auslösern sowie Erkrankte, die einen infektiösen Auslöser ihrer Beschwerden nicht nachweisen können, von den Ergebnissen der Forschung profitieren.“
Eine Herausforderung wird es nun sein, die Gelder zielgerichtet einzusetzen. Grundlegend für den Erfolg der Dekade ist eine nachhaltige Forschungsstrategie, die auch die Erkenntnisse und Erfahrungen der Vergangenheit und die Expertise der Betroffenenorganisationen einbezieht.
Bereits der von LCD und der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS entwickelte „Nationale Aktionsplan für ME/CFS und das Post-COVID-Syndrom“ aus 2022 und der „Leitfaden für Vorhaben zur Erforschung und Versorgung von ME/CFS und des Post-COVID-Syndroms“ aus 2023 unterstreichen die Dringlichkeit von Grundlagen-, Therapie- und Diagnostikforschung. Auch im Rahmen der Regierungsbildung 2025 legten die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und LCD diese Punkte erneut in einem Maßnahmenkatalog vor.
„Wir haben in den letzten Jahren viel über postinfektiöse Erkrankungen gelernt,“ sagt Mia Diekow, Sprecherin von LCD. „Einige der international führenden Forschenden auf dem Gebiet sind in Deutschland tätig. Die angekündigte Forschungsdekade wird es ihnen ermöglichen, langfristig zu planen und dringend notwendige Studien durchzuführen, mit denen sie zum Teil schon in den Startlöchern stehen.“
Über ME/CFS und Long COVID:
ME/CFS ist eine chronische neuroimmunologische Erkrankung, die oft zu einem hohen Grad der Behinderung führt. Die Erkrankung tritt häufig nach viralen Infekten wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber, Influenza oder COVID-19 auf. Long COVID bzw. Post-COVID-Syndrom beschreibt ein Spektrum an diversen Langzeitfolgen, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten können. Ein Teil der Long COVID-Betroffenen entwickelt ME/CFS. Die COVID-19-Pandemie hat daher zu einem starken Anstieg der Betroffenenzahlen geführt. Aktuell gibt es noch keine heilende Therapie.
Long COVID Deutschland (LCD)
Seit Mai 2020 setzt sich LCD als ehrenamtliche Initiative bundesweit für Aufklärung, Versorgung und die Erforschung von Long COVID bzw. Post-COVID-Syndrom ein. Das Team von LCD vereint dabei gelebte Krankheitserfahrung mit medizinisch-wissenschaftlicher Expertise. LCD agiert als Patient*innenvertretung in zentralen Forschungs- und Versorgungsvorhaben auf Ebene von Bund und Ländern und betreut eine Online-Selbsthilfegruppe mit mehr als 12.000 Betroffenen.
Kontakt: presse@longcoviddeutschland.org
Deutsche Gesellschaft für ME/CFS
Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS ist eine 2016 gegründete Organisation von Betroffenen, Angehörigen, Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen, die sich für die Rechte, Bedürfnisse und Versorgung von ME/CFS-Kranken einsetzt. Wir bringen gelebte Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnisse zu ME/CFS zusammen. Mit dieser Expertise klären wir über ME/CFS auf, verbreiten Fachwissen und treiben die Forschung voran. Wir beraten und verbinden Medizin, Forschung und Politik.
Kontakt: presse@dg.mecfs.de










